In Bayern ist das Halten gefährlicher Tiere in Art. 37 des Gesetzes über das Landesstrafrecht und Verordnungsrecht auf dem Gebiet der öffentliche Sicherheit (BayLStVG) geregelt und mit „Halten gefährlicher Tiere“ tituliert. In diesem Artikel wird sowohl die Haltung gefährlicher Tiere wildlebender Arten als auch die Haltung von Kampfhunden behandelt. Für die Haltung gefährlicher Tiere ist eine Erlaubnis der Gemeinde nötig. Eine Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse nachweisen kann und keine Bedenken gegen seine Zuverlässigkeit bestehen. Der Nachweis einer Haftpflichtversicherung kann eine Voraussetzung für das Gewähren einer Erlaubnis sein. Versagensgründe aus anderen Vorschriften bleiben weiterhin bestehen. Übergangsregelungen für gefährliche Tiere wildlebender Arten, die bei In-Kraft-Treten des Art. 37 BayLStVG bereits gehalten wurden, werden nicht getroffen. Wer vorsätzlich oder fahrlässig ein gefährliches Tier ohne Erlaubnis hält oder eine Auflage der Erlaubnis nicht erfüllt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann eine Geldbuße auferlegt bekommen.
Gesetz über das Landesstrafrecht und das Verordnungsrecht auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Landesstraf- und Verordnungsgesetz (BayLStVG)
Auszug
(Bekanntmachung vom 13. 12. 1982, zuletzt geändert am 22. 07. 2008 (GVBl. 2008, S. 421))
Art. 37 Halten gefährlicher Tiere
(1) Wer ein gefährliches Tier einer wildlebenden Art oder einen Kampfhund halten will, bedarf der Erlaubnis der Gemeinde, soweit das Bundesrecht nichts anderes vorschreibt. Kampfhunde sind Hunde, bei denen auf Grund rassespezifischer Merkmale, Zucht oder Ausbildung von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren auszugehen ist; das Staatsministerium des Innern kann durch Verordnung Rassen, Kreuzungen und sonstige Gruppen von Hunden bestimmen, für welche die Eigenschaft als Kampfhunde vermutet wird.
(2) Die Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse nachweist, gegen seine Zuverlässigkeit keine Bedenken bestehen und Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz nicht entgegenstehen, ein berechtigtes Interesse zur Haltung von Hunden im Sinn des Absatzes 1 Satz 2 kann insbesondere vorliegen, wenn diese der Bewachung eines gefährdeten Besitztums dient. Die Erlaubnis kann vom Nachweis des Bestehens einer besonderen Haftpflichtversicherung abhängig gemacht werden. Versagungsgründe, die sich aus anderen Vorschriften ergeben, bleiben unberührt.
(3) Die Erlaubnispflicht nach Absatz 1 Satz 1 gilt nicht für die Haltung von Diensthunden der Polizei, des Strafvollzugs, des Bundesgrenzschutzes und der Zollverwaltung.
(4) Wer zum 1. Juni 1992 Kampfhunde im Sinn des Absatzes 1 Satz 2 hält, bedarf für die Haltung dieser Hunde abweichend von Absatz 1 Satz 1 keiner Erlaubnis, wenn er bis zum 31. Oktober 1992 der Gemeinde unter Angabe seiner Personalien die Haltung sowie Rasse, Anzahl und Alter der Hunde schriftlich anzeigt. In den Fällen des Satzes 1 ist die Haltung von der Gemeinde zu untersagen, wenn Bedenken gegen die Zuverlässigkeit des Halters oder Gefahren für die in Absatz 2 genannten Rechtsgüter bestehen. 3 Absatz 2 Satz 3 gilt entsprechend. Die Sätze 1 bis 3 gelten entsprechend für Nachkömmlinge der in Satz 1 genannten Hunde, wenn sie bis zum 31. Oktober 1992 geboren wurden.
(5) Mit Geldbuße bis zu zehntausend Euro kann belegt werden, wer vorsätzlich oder fahrlässig
1. ein gefährliches Tier einer wildlebenden Art oder einen Kampfhund ohne die erforderliche Erlaubnis hält,
2. die mit der Erlaubnis verbundenen vollziehbaren Auflagen nicht erfüllt oder
3. einer auf Grund des Absatzes 4 Satz 2 erlassenen vollziehbaren Anordnung zuwiderhandelt
Beispielliste zu Ziffer 37.1 BayLStVG (keine Verwaltungsvorschrift)
Stand: März 2008
Insbesondere gelten folgende Tiergruppen/Tierarten i. S. des Art. 37 BayLStVG als gefährliche Tiere wildlebender Arten
1. Säugetiere
− alle Affen mit Ausnahme der Halbaffen (Prosimiae) und Krallenaffen (Callithricidae)
− Großbären (Ursidae)
− Katzen (Felidae):
Geparde (Acinonyx jubatus), Pumas (Profelis concolor), Ozelot (Leopardus par-
dalis), Schneeleopard (Uncia uncia), Nebelparder (Neofelis nebulosa), Tiger
(Panthera tigris), Jaguar (Panthera onca), Leopard (Panthera pardus), Löwe
(Panthera leo), Luchse (Lynx), Serval (Leptailurus serval),
− Hyänen (Hyaenidae)
− Wölfe (Canis lupus), einschließlich deren Mischlinge mit Hunden, afrikanische
Wildhunde (Lycaon pictus)
− Große Robben:
Walrosse (Odobenidae), Bullen von See-Elefanten (Mirounga), Klappmützen
(Crystophora) und anderen großen Robben
− Elefanten (Elephanthidae)
− Nashörner (Rhinocerotidae)
− Tapire (Tapiridae)
− Flusspferde (Hippopotamidae)
− Giraffen (Giraffidae)
− Männliche Großkamele (Camelus) 274
− Männliche Großhirsche mit Geweih der Arten Elch (Alces alces) und Wapiti
(Cervus elaphus)
− Männliche Antilopen der Arten Elenantilope (Taurotragus orxy), Rappenantilope
(Hippotragus niger), Säbelantilope (Oryx gazella) und andere männliche Groß-
antilopen
− Wildrinder:
Anoas (Bubalus sp.), Kaffernbüffel (Syncerus caffer), Gaur (Bos gaurus), Ban-
teng (Bos javanicus), Bison (Bison bison), Wisent (Bison bonasus)
− Wildpferde (Equus przewalski)
2. Reptilien
− alle Panzerechsen (Crocodylidae): hierunter fallen z.B. Krokodile, Alligatoren,
Gaviale und Kaimane
− Riesenschlangen (Boidae):
Tigerpython (Python molurus), Felsenpython (Python sebae), südlicher Felsen-
python (Python natalensis), Netzpython (Python reticulatus), Blutpython (Python
curtus), große Anakonda (Eunectes murinus), südliche Anakonda (Eunectes no-
taeus), De Schauensees Anakonda (Eunectes deschauenseei), Beni Anakonda
(Eunectes beniensis), Diamantpython (Morelia argus argus), Rautenpython (Mo-
relia argus variegata), Amethystpython (Morelia amethistina), Papua-
Wasserpython (Apodora papuana), Olivpython (Liasis olivaceus), Oenpellipython
(Morelia oenpelliensis)
Andere Riesenschlangen, die regelmäßig eine Länge von 3 m überschreiten
− Giftschlangen:
Giftnattern (Elapidae): z.B. alle Arten der Gattungen Todesottern (Acanthophis),
Schildkobras (Aspidelaps), Wasserkobras (Boulengerina), Kraits (Bungarus),
Mambas (Dendroaspis), Ringhalskobras (Hemachatus), Bauchdrüsenottern (Ma-
ticora), Echte Korallenschlangen (Micrurus), Echte Kobras (Naja), Tigerottern
(Notechis), Königskobras (Ophiophagus), Taipans (Oxyuranus), Schwarzottern
(Pseudechis), Waldkobras (Pseudohaje), Australische Scheinkobras (Pseudona-
ja), Wüstenkobras (Walterinnesia)
Vipern (Viperidae): z.B. alle Arten der Gattungen Buschvipern (Atheris), Puffot-
tern (Bitis), Hornvipern (Cerastes), Sandrassel-Ottern (Echis), Macmahon-Vipern
(Eristicophis), Trughornvipern (Pseudocerastes), Echte Vipern (Vipera)
Grubenottern (Crotalidae): alle Arten der Gattungen Dreieckskopfottern (Ag-
kistrodon), Lanzenottern (Bothrops), Klapperschlangen (Crotalus), Buschmeister
(Lachesis), Zwergklapperschlangen (Sistrurus), Asiatische Lanzenottern (Trime-
surus)
− Seeschlangen (Hydrophiidae)
− Trugnattern (Boiginae) der Gattungen Peitschennattern (Ahaetulla), Nachtbaum-
nattern (Boiga), Sandrennnattern (Psammophis), Boomslang (Dispholidus),
Baumnattern (Thelotornis), Tigernattern (Rhabdophis tigrinus)
− Schnappschildkröten (Chelydra serpentina)
− Geierschildkröten (Macroclemys temminckii)
− Andere Wasser- und Sumpfschildkröten, die regelmäßig eine Panzerlänge von 50 cm überschreiten
− Alle Krustenechsen (Helodermatidae)
− Warane (Varanidae): Wüstenwaran (Varanus griseus), Nilwaran (Varanus niloticus), Bengalenwaran (Varanus bengalensis), Bindenwaran (Varanus salvator), Komodowaran (Varanus komodoensis), Weißkehlwaran (Varanus albigularis), Großwaran (Varanus giganteus), Goulds Waran (Varanus gouldii), Papua-Waran (Varanus salvadorii), Grey`s Waran (Varanus olivaceus), Buntwaran (Varanus varius)
Andere Warane, die regelmäßig eine Länge (ohne Schwanz) von 60 cm über-
schreiten
− Leguane (Iguanidae):
Nashornleguan (Cyclura cornuta)
Andere Leguane, die regelmäßig eine Länge (ohne Schwanz) von 60 cm über-
schreiten
3.Wirbellose Tiere
− Skorpione der Gattungen:
Buthus, Mesobuthus, Compsobuthus, Lychas, Orthochirus, Urodacus, Uroplec-
tes, Vaejovis, Bothriurus, Buthacus, Buthotus, Androctonus, Tityus, Leiurus,
Centruroides, Nebo, Hemiscorpius
− erheblich giftige Spinnen der Gattungen (einschließlich von Synonymen):
Trechona, Atrax, Hadronycha, Harpactirella, Latrodectus, Loxosceles,
Mastrophora, Phoneutria, Cheiracanthium, Sicarius, Hogna, Macrothele, Actino-
pus, Badumna, Cteniza, Bothriocyrtum, Ummidia, Idiommata, Ixeuticus, Miturga,
Phrynarachne, Tegenaria, Lampona, Olios, Pandercetes, Pediana, Isopeda, He-
teropoda, Delena, Saotes, Typostola, Poecilotheria, Selenocosmia






